Ich werde des öfteren gefragt, ob sich die Weiterbildung zum geprüften Medienfachwirt (IHK) lohnt. Ich kann diese Frage natürlich nicht pauschal beantworten. Aber da ich nun kurz vor den schriftlichen Abschlussprüfungen zum Medienfachwirt stehe, kann über meine persönlichen Erfahrungen berichten.

Die Intension
Die Intension eine Fortbildung zu machen kann auf sehr unterschiedlichen Gründen beruhen und ist absolut individuell. Letztlich hat jeder das Ziel in irgendeiner Form weiterzukommen. Es ist also die Selbstverwirklichung, die als Motivator antreibt.
Vielleicht eine Grundsatzfrage, die sich jeder stellen kann: Brauche ich nur den “Schein”, also den Abschluss  “geprüfter Medienfachwirt IHK” um weiterzukommen oder möchte ich die entsprechende Kenntnisse vermittelt bekommen, die man als “geprüfter Medienfachwirt IHK” haben sollte?
Im ersten Fall ist es vielleicht ausreichend mit einem Crashkurs sich auf die Prüfung vorzubereiten. Dies ist meist wesentlicher schneller und günstiger. Im zweiten Fall lohnt es sich einen mehrjährigen Vorbereitungskurs bei der IHK zu machen.

Was bin ich danach?
Der offizielle Abschluss der Fortbildung heißt “geprüfter Medienfachwirt IHK”. Es gibt eine englische Übersetzung, die “bachelor of media engineering CCI” heißt und umstritten ist, da sich um keine akademische Fortbildung handelt. Nach der Fortbildung kann man als “geprüfter Medienfachwirt” an manchen FHs ohne Abitur studieren.

Die Klasse
Meistens wird der Kurs zusammen mit Industriemeistern (digital / print) gehalten. Interessant dabei ist, dass hier zwei völlig unterschiedliche Welten aufeinander treffen. Zu einem sind die angehenden Industriemeister meist “Drucker” und daher sehr print-lastig, und zum anderen sind die angehenden Medienfachwirte meist “Mediengestalter” und daher sehr digital-lastig. Dies kann des öfteren zu heißen Diskussionen in manchen Fächern (Digital oder Print) führen, je nach dem wie die Gewichtung in der Klasse ist. Diese Vermischung ist wohl auch ein Konzept der Fortbildung, schließlich geht es um “Crossmedia”, d.h. man sollte von den Prozessen, von Digital bis Print, eine gewisse Grundahnung haben.
Ich persönlich empfand das Klassenklima als sehr angenehm, allerdings waren wir “digis” auch in der absoluten Unterzahl. Die Teilnehmerzahl beläuft sich bei uns auf knapp 30.

Das Lernen lernen
Bevor man eine nebenberufliche Fortbildung anfängt, sollte einem schon bewusst sein, dass dies eine Menge Arbeit und Mehrbelastung bedeutet. Der Stoff ist umfangreich und muss letztendlich gelernt werden.
Gerade wenn man mitten im Berufsleben steht, ist es schwer sich wieder an das “theoretische” Lernen zu gewöhnen. Und schlimmer noch: Man hat nicht, wie früher in der Schule, den halben Tag zum Lernen zeit. (Wenn man das so gemacht hat…) Nein, man muss sich am Abend, bzw. am Wochenende hinsetzen. Dann hat man noch Familie, Bekannte und Hobbies, die ebenfalls bedient werden wollen. Somit entstehen schnell die ersten Interessenkonflikte, die oftmals zur Demotivation führen. Daraufhin werden die regelmäßigen Schulbesuche weniger und die guten Vorsätze, wie z.B. “Ich lerne immer mit”, sind schnell vergessen. ABER das ist völlig normal und es braucht eine gewisse Zeit bis sich alles einspielt.

Bei uns wurde das Thema “Lernen lernen” bereits am Anfang des Basisteils aufgegriffen und das hat bei der Selbstorganisation geholfen. Welcher Lerntyp man letztlich ist, sollte man entweder bereits wissen oder spätestens in diesem Zeitraum herausfinden.

Generell durchläuft man verschiedene Motivationsphasen während der Ausbildung. Mein größtes Hoch war bisher kurz vor der Zwischenprüfung, gefolgt vom größten Loch – der Unterricht kurz nach der Zwischenprüfung.

Der Stoff
Wer glaubt dabei tiefere Kenntnisse über Mediengestaltung oder über die Nutzung von Grafikprogrammen zu erwerben, der täuscht sich. Es geht nicht darum die bereits erworbenen Fähigkeiten in einer ausführenden Tätigkeit zu vertiefen, sondern später mal planerische Aufgaben zu übernehmen. Wikepedia beschreibt die (Soll-) Position des Medienfachwirts recht schön in dem Artikel “Medienfachwirt“.
Somit behandelt der Rahmenplan eine große Bandbreite an Themen, die auch in diesem Blog zum Teil (handlungsspezifischer Teil) diskutiert werden.

In der grundlegenden Qualifikation:

  • Recht,
  • BWL,
  • ZIB (Zusammenarbeit im Betrieb),
  • IKP (Inforamtionen, Kommunkikation, Planen).

In der handlungsspezifischen Qualifikation gibt es die Fächer:

  • Medienrecht,
  • Medienorientierte Datenverarbeitung,
  • Medienproduktion,
  • Mediengestaltung,
  • Medienqualifikation,
  • Personalführung,
  • Personalentwicklung,
  • PSK (Planung, Steuerung und Kommunikation),
  • Projektmanagement und Kostenmanagement.

Für mehr Infos zu den jeweiligen Fächern, könnt ihr hier auf dem Blog etwas stöbern

Die Organisation
Ich mache die Fortbildung an der IHK Akademie in Nürnberg. Generell ist alles gut organisiert. Die Räume sind modern (wenn das Internet mal funktioniert) und Unterrichtsausfälle werden meist rechtzeitig bekannt gegeben. Notfalls auch mal telefonisch vom Chef persönlich.
Der Unterricht findet in der Regel an zwei Tagen unter der Woche von 17.30 – 20.45 Uhr statt, sowie ca. alle 2 Wochen am Samstag von 8.00 bis 15.00 Uhr. Dies kann je nach IHK und Kurs natürlich abweichen. Dadurch, dass die Unterrichtszeiten bereits ein Jahr im Vorfeld geplant sind, ist eine spontane Umbuchung/Verschiebung der Unterrichtsstunden nicht möglich.

Vor allem ist es wichtig zu wissen, dass die IHK Nürnberg mit der IHK Deutschland im Bezug auf die Fortbildung nur wenig zu tun hat. Oder anders ausgedrückt, der Vorbereitungskurs an der IHK Nürnberg hat letztlich nichts mit der Anmeldung zur Prüfung als Medienfachwirt zu tun. Daher gab es in meinem Fortbildungszeitraum immer wieder Unstimmigkeiten im Bezug auf die Prüfungsordnung und auf die Anmeldung zur Prüfung.

Ich habe bereits ein Jahr an einer Uni studiert und im Vergleich dazu ist die IHK Nürnberg sehr gut organisiert. Aber vielleicht hinkt da auch der Vergleich etwas…

Die Dozenten
Eine objektive Meinung darüber abzugeben ist nicht möglich. Man kennt das aus seiner Schulzeit: Mit manchen kommt man klar mit anderen nicht so. Ich persönlich empfinde die meisten Dozenten als engagiert und fachkompetent. Mir gefällt es sehr  gut, dass die meisten aus dem Praxisleben kommen und somit keine reinen Theoretiker sind.

Fazit
Da ich meine Fortbildung noch nicht beendet habe, kann ich noch kein endgültiges Fazit abgeben. Wenn man mich momentan fragt, ob ich die Fortbildung noch mal machen würde, müsste ich wirklich erst überlegen. Leider ist der Abschluss in Deutschland noch nicht sehr verbreitet und daher auch relativ unbekannt. Also ich würde keinem empfehlen nur den Abschluss ohne den Fortbildungskurs zu machen. (Höchstens man möchte anschließend studieren und man hat kein Abi.) Ich bin bisher skeptisch, ob man als “geprüfter Medienfachwirt IHK” wirklich neue Türen auf dem Arbeitsmarkt öffnet. Der mittlere Führungsbereich wird in Deutschland zunehmend kleiner. Oftmals werden solche Aufgaben auf die oberen, bzw. auf die unteren Führungsebenen verteilt.

Allerdings habe ich mich damit noch nicht intensiver beschäftigt und würde mich freuen, wenn vielleicht ein bereits “fertiger” Medienfachwirt oder Industriemeister hier über Erfahrungen berichten kann.

Weitere Informationen: