WICHTIG:
„Diese Serie gibt nur Tipps zu einer möglichen Vorgehensweise zur Bearbeitung der Gesamtkonzeption und stellt auf keinen Fall eine Musterlösung dar. Die Serie ersetzt auch keinen Unterricht oder irgendwelche Lehrbücher. Das hier Geschriebene sind nur persönliche Erfahrungswerte und können auch gerne in den Kommentaren kritisiert, hinterfragt und diskutiert werden.

Wichtig ist auch, dass du die aufgestellten Thesen, bzw. Tipps und Herangehensweisen in dieser Serie mit deinem Dozenten/Betreuer besprichst. Nicht jeder Bildungsträger ist gleich und vor allem ist nicht jeder Dozent/Betreuer gleich. Am besten während des Vorbereitungskurses eine Probearbeit zusammen mit euren Dozent/Betreuer durchsprechen, denn spezifische Fragen während der 30 Tage Bearbeitungszeit werden von den meisten Bildungsträgern nicht beantwortet. Solltest du einen Fernlehrgang machen, kannst du auch entsprechende Fragen, z.B. nach Probearbeiten oder Probeaufgaben, etc. unter Medienfachwirt-Portal.de/fragen stellen.
Ich übernehme keinerlei Garantie auf Richtigkeit oder auf eine gute Note, wenn ihr euch an diese Tipps haltet.“


Einleitung
Der erste Teil der Serie Gesamtkonzeption beschäftigt sich mit der eigentlichen Aufgabenstellung. Wie bereits im Artikel „Gesamtkonzeption“ beschrieben, erstellt jeder Bildungsträger selbst die Aufgaben in Anlehnung an die Prüfungsordnung.
Meist setzten sich diese aus einer Situationsbeschreibung und den dazugehörigen Aufgaben zusammen. Bei der IHK in Nürnberg sind die Aufgaben nach den Fortbildungsschwerpunkten Digital und Print getrennt und sogar mit den jeweiligen Punkten versehen. Somit verraten diese gleich mal die Gewichtung der Aufgaben.

Aber erst mal von vorne anfangen:
Die Situationsaufgabe muss mehrmals aufmerksam gelesen werden. Gewöhne dich schon mal daran, denn du wirst das in den nächsten 30 Tagen mit Sicherheit noch öfters tun.
So – und nun Stop! Keine Panik bekommen, wenn du manche Sachen nicht verstehst – das ist genau so gewollt!
Du erinnerst dich an die Prüfungsordnung die besagt, dass kein eindeutiger Lösungsweg vorgegeben werden soll? Also entsprechend schwammig sind die Aufgaben – zumindest an manchen Stellen – gestellt. Das hilft dir zwar erstmal nicht weiter, aber beruhigt vielleicht etwas, da es den anderen auch so ergehen wird.

Tipp:

„Bevor es nun mit der Ausarbeitung losgeht, solltest du mehrere Kopien der Aufgabenstellung machen. Dann kannst du darin bedenkenlos herum schmieren oder Texte markieren.“

Ich habe nun schon mehrere Situationsaufgaben durchgelesen und die meisten folgen doch einem gewissen Schema. Um dieses Schema herauszuarbeiten, hilft es, die Situationsaufgabe in einzelne Teile zu zerlegen:

Wer bist du?
Meist bist du ein Projektleiter in irgendeiner Full-Service-Agentur oder in einer vergleichbaren Einrichtung. Hier werden Informationen über deinen Job, deinem Arbeitgeber und deinem Team hineingepackt. Vielleicht sogar über deinen Arbeitsort oder über die Themenschwerpunkte der Agentur. Am besten erst mal alle Infos in Stichpunkten heraus schreiben oder die entsprechende Texte markieren.

Wer ist dein / sind deine Kunde/n?
Meistens folgt nun eine Beschreibung über deinen Kunden. Das kann auf einer klassischen Art und Weise – z.B. so – erfolgen:

„Das Traditionsunternehmen Mayer GmbH betreibt einen Großhandel für Designer-Blumentöpfe mit 10 Angestellten und Sitz in Karlsruhe. Das Unternehmen hat sich auf hochwertige Blumen- und Dekorations-Töpfe spezialisiert und kauft seine Handelsware vorwiegend im Raum Europa – vor allem in Süd-Italien – ein. Die Lagerhallen bleiben aber in letzter Zeit immer öfters voll und der Umsatz stagniert seit mehreren Jahren. Trotz erster Versuche neue Zielgruppen zu gewinnen, z.B. durch die Erstellung eines Online-Shops, ist der Umsatz nicht wieder gestiegen…“

Das ist wohl ein Klassiker. Hier wird eine Firma mit vielen – teils auch versteckten – Informationen beschrieben. Also dann mal los und versuche den Absatz zu zerlegen:

  1. Die Firma ist ein Traditionsunternehmen und zugleich eine GmbH. Das deutet darauf hin, dass die Firma schon länger im Raum Karlsruhe ansässig ist. Vielleicht viele Stammkunden hat und eventuell auch familiengeführt ist. Karlsruhe ist eine mittelgroße Stadt mit ca. 300.000 Einwohnern in Baden-Württemberg. Karlsruhe ist gut an Verkehrsnetze angebunden und hat durch die westliche Lage auch eine kulturelle Nähe zu Frankreich, Belgien und den Niederlanden.
  2. Die Firma ist ein Großhändler, d.h. sie produziert nicht selbst. Scheinbar wird die Ware hauptsächlich im Ausland – bevorzugt Süd-Italien- bezogen und in Deutschland in eigenen Lagerhallen eingelagert. Moderne Lagerhaltesystem wie „Just-In-Time“-Lieferung etc. werden offensichtlich nicht angewendet.
  3. Mit 10 Angestellten ist die Firma eher ein kleines Unternehmen und ist davon auszugehen, dass eine flache Firmenhierarchie vorliegt – wahrscheinlich aufgebaut nach einem klassischen Einliniensystem.
  4. Die Firma hat sich auf hochwertige Designer Blumentöpfe spezialisiert und hat trotz der Erschließung neuer Vertriebswege – der neue Onlineshop – Absatzprobleme. Dazu mehr unter 3. das Problem“
  5. Und so weiter…

Du merkst schon, man kann aus so einem kleinen Text viel herausziehen. Natürlich unter der Verwendung vieler Annahmen. Bei meinem Bildungsträger waren begründete Annahmen erlaubt und auch notwendig um die Aufgaben zu lösen.

An der Stelle noch mal der Hinweis, dass mit deinem Bildungsträger abzuklären, ob dies zulässig ist. Im weiteren Verlauf gehe ich mal davon aus, dass Annahmen erlaubt sind.

Das Problem
Irgendwann wird das eigentliche Problem vom Kunden beschrieben. Also der Grund warum er dich eigentlich braucht. In dem o.g. Beispiel mit dem Blumentopfhändler ist dies in erster Linie der schwindende Umsatz. Gefolgt von der Ansprache einer falschen Zielgruppe oder die Verwendung von falschen Marketingkanälen. Hier ist also vieles denkbar.

Du solltest alle Probleme des Kunden aufschreiben und entsprechend gewichten. Dabei hilft auch ein Blick auf die Aufgaben. Vielleicht sind hier schon konkrete Aufgaben dazu gestellt. Z.B. Optimieren Sie den Online-Shop des Kunden und setzen Sie die dabei geeignete SEO/SEM Maßnahmen um, etc. Auch hier solltest du versuchen zwischen den Zeilen zu lesen und auch etwas über den Tellerrand hin auszusehen.

Die Zusatzaufgaben
Nun bist du im Text im unteren Drittel angekommen und hier scheinen die Prüfungssteller oft ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen. Meist mit dem Ergebnis, dass sich viele „mysteriöse“ Dinge auftun. Beliebt sind weitere Aufgaben, wie z.B. die Zusammenarbeit und Koordination mit externen Partnern oder die Erstellung und Planung zusätzlicher Microsites, Landing-Pages, Postkarten, Flyers, In-Lays, Give-Aways etc. Gerne auch weitere Dinge um dich zu verwirren oder einfach Sachlagen, die die Aufgabe komplizierter machen.

Auch hier wieder auf die gleiche Art und Weise vorgehen: Den Text genau lesen, Vergleiche mit den „konkreten“ Aufgaben machen und eine Gewichtung erstellen sowie sinnvolle Annahmen festlegen und begründen.

Die Kosten
Ja, ja das beliebte Fach Kostenmanagement muss auch seine Berechtigung finden und so musst du zu 99,9% ein Kostenaufstellung machen oder ein Kundenangebot oder beides. Gerne auch Angebote von weiteren Dienstleistern einholen und diese vergleichen. Also alles rund um das Fach Kostenmanagement.

In diesem Fall hilft wirklich mal ein Blick in andere Gesamtkonzeptionen. Meist sind dort schon einige vernünftige Kostenaufstellungen gemacht worden. Natürlich hilft auch ein Gespräch mit eurem Dozenten/ Betreuer, der hierzu sicherlich auch einige Tipps geben wird. (Am besten gleich während der Vorbereitungszeit) Ich denke, je realistischer deine Kostenaufstellung ist, desto besser. Dazu werde ich noch mal gesondert im laufe dieser Serie einen Beitrag mit weiteren Tipps schreiben. Im ersten Teil muss man sich darum noch nicht besonders kümmern.

Sonstiges
Es können noch weitere scheinbar unwichtige Sätze oder Formulierungen vorkommen. Z.B.:
„Der Senior Chef ist kurz vor der Pension und muss eine Übergabe an seinen Nachfolger planen und hat wenig Zeit für das Projekt.“

Das mag erstmal nicht wichtig erscheinen, kann aber eine Bedeutung bekommen und eventuell können hier Gründe, bzw. Annahmen erarbeitet werden um weitere Themenbereiche, wie z.B. „Arbeitsklima“ oder „Wechsel des Führungsstils“ abzudecken. Diese werden vielleicht nicht konkret abgefragt, aber beweisen, dass du dich mit der Thematik auseinandergesetzt hast und auch über den Tellerrand hinaus sehen kannst. Zufällig ist „Zusammenarbeit im Betrieb“ auch noch ein Prüfungsfach von deinem Dozenten, der die Arbeit korrigiert (soweit bekannt) – also perfekt und rein damit! (Achtung: Nicht zu viel schreiben, ansonsten kann auch eine Themaverfehlung drohen. 1-3 Sätze können sowas gut abdecken.)

Fazit:
Kein Satz steht da nur „so“. Die Prüfer haben sich dazu Gedanken gemacht. Sie wollen eine Aufgabe erstellen, die eine Herausforderung ist und bei der im besten Fall jeder Prüfling eine andere Lösung abgibt. Also wirklich jeden Satz hinterfragen und am besten mehrmals lesen. Stichpunkte erarbeiten und Meinungen austauschen. Die Punkte anschließend sortieren, gruppieren und gewichten. Tausche dich mit anderen Medienfachwirten und Industriemeistern aus. Nutze die Vorbereitungskurse um konkrete Probleme im Vorfeld zu besprechen. Bleib cool und bekomme auch bei nicht “klaren” Aufgabenstellungen keine Panik.

Ausblick:
Im nächsten Teil der Serie beschäftige ich mit dem Thema „Recherche und Zielgruppen-Analyse“, die mit Sicherheit in jeder Aufgabenstellung abgefragt wird. Dazu ist ein bisschen Detektivarbeit und schauspielerisches Talent gefragt…

Ich freue mich über jede Kritik und weitere Anregungen – schreibt doch einfach im Kommentarfeld.

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