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“Wenn wir uns die Prüfungsaufgaben so anschauen, müssen es auch seltsame Leute sein, die sich sowas ausdenken” Andreas Wölfel – IHK Prüfer für Medienfachwirte
0Medienfachwirt.info hatte die Gelegenheit ein Interview mit Andreas Wölfel – Industriemeister und IHK Prüfer – zu führen. Er gewährt uns tiefe Einblicke in die Welt der IHK Prüfer und hat so manch interessante Ansichten über das “System”. Hier gehts zum Interview:
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Erste Abschlussprüfungen nach neuer Prüfungsordnung
3Ende November finden wieder die Abschlussprüfungen für die Medienfachwirte und Industriemeister Print & Digital statt. Besonders spannend sind die Prüfungen diesmal, da es die ersten nach neuer Prüfungsordnung sind. Die neue Prüfungsordnung untersagt die Benutzung von Hilfsmitteln, welche zuvor teilweise zugelassen waren. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass Hilfsmittel in einer Prüfung nicht immer hilfreich sind und man oftmals nicht die Zeit hat um diese zu benutzen. Im Gegenteil man muss aufpassen, dass man nicht bei jeder Unsicherheit versucht ist nachzublättern und somit kostbare Zeit vergeudet.
Somit ist dieser Schritt von der IHK eigentlich gar nicht mal so unsinnig. Ärgerlich ist dennoch die Vorgehensweise bei der Einführung dieser neuen Prüfungsordnung. Man hat hierbei völlig ignoriert, dass es laufende Vorbereitungskurse gibt, welche sich an der alten Prüfungsordnung orientieren. Somit sind auch die Skripte entsprechend anders aufgebaut und man wird zweieinhalb Jahre mehr oder weniger falsch vorbereitet. Auch die Stundenaufteilung und deren Inhalte orientieren sich an der alten Prüfungsordnung. Hier spürt man also wieder deutlich, dass ein Vorbereitungskurs, auch wenn direkt bei einer IHK Akademie durchgeführt, mit dem zentralen Prüfungsausschuss nichts zu tun hat. Allerdings fraglich, ob sich die Skripte, bzw. Stundenpläne trotz Kenntnis der neuen Prüfungsordnung ändern werden. Man kann daran durchaus zweifeln.
Sinnvoller wäre es gewesen einen Stichtag zu wählen, der auch die laufenden Vorbereitungskurse berücksichtigt. Am einfachsten wäre es gewesen, wenn man nach Bekanntgabe der neuen Prüfungsordnung, noch zweieinhalb Jahre bis zur Einführung gewartet hätte. Somit hätten alle laufenden Kurse nach alter Ordnung abschließen können und die Bildungsträger eine Chance gehabt, die Lehrpläne nach der neuen Verordnung anzupassen.
Aber es ist ja auch relativ neu, dass man nun als “Fachwirt” an einer FH studieren kann , obwohl man kein Abi hat. Daher kam wohl auch Druck seitens der FHs bei der schnellen Einführung der neuen Prüfungsordnung.
Was bringt also diese neue Verordnung: Nur noch Einser-Durchschnitte? Bessere Medienfachwirte durch stupides Auswendiglernen? Mehr Wissensfragen und weniger Transferfragen, da diese praxisnäher sind? Naja, man wird sehen… ich bin gespannt.
Ich wünsche allen Prüflingen viel Glück und ich würde mich freuen, wenn Ihr Eure Erfahrungen von den “neuen” Prüfungen berichtet.
Präsentation und mündliche Prüfung bestanden!
4Heute Morgen hatte ich meine Präsentation der Gesamtkonzeption und anschließend das Fachgespräch. Die Präsentation darf maximal 15 Minuten dauern – ich brauchte 14:30 – und das Fachgespräch maximal auch 15 Minuten. Anwesend waren drei Prüfer (Zwei Herren und eine Frau).
Ich habe die Präsentation per Beamer vorbereitet und hatte zusätzlich zwei Ausdrucke im A0 Format dabei, um so einen Medienwechsel mit einzubauen. Die Präsentation lief eigentlich recht gut – bis auf meine zuvielen “ähms” bei denen ich mich selbst erwischt habe und dass ein Prüfer wohl durchblicken hat lassen, dass manche Folien etwas schlecht lesbar waren. (Er hatte sich immer nach vorne gebeugt und die Augen zugekniffen.)
Das Fachgespräch lief nicht so optimal. Zwar waren die Fragen eigentlich recht fair gestellt, doch habe ich bei manchen recht gestrauchelt. Lag wohl auch an der Aufregung. Für mich war vor allem das Schwierigste herauszufinden, auf was genau die Fragen abzielten.
Anschließend hat sich der Prüfungsausschuss 20 Minuten beraten und mir dann verkündet, dass ich bestanden habe.
Leider bekommt man kein Feedback und auch keine weiteren Details zur Note genannt. Das stört mich generell an der Benotung der IHK Prüfungen. Man weiß ja nie wirklich was man falsch gemacht hat. Man bekommt dann immer eine Note vorgesetzt und frei nach dem Motto “Take it or leave it” wars das dann. Das fördert nicht gerade den Lernprozess.
Nun muss ich am Freitag noch den ADA (AEVO) hinter mich bringen und dann darf ich mich offiziell “Medienfachwirt” nennen.
Ich habe fertig… (fast)
5So, nun ist es bald soweit. Am Freitag habe ich Termin bei meinem Drucker und am Montag ist Abgabe bei der IHK. Ich bin soweit durch. Noch mal alles Korrektur lesen und (das schlimmste) in Word formatieren. Das Projekt klang anfangs recht interessant, allerdings durch die Unstimmigkeiten in den Aufgabenstellungen ist mir dann die Lust vergangen.
Aber halb so schlimm – ich bin ab Freitag wieder ein normaler Mitbürger ohne Fortbildung und nebenberuflicher Schule. Ich sag ja zu Freizeit, ja zur Familie, ja zu Freunden, ja zu Konsum, ja zu hirnlosen Tätigkeiten. Oh ja!
Weiterbildung zum Medienfachwirt – lohnt es sich?
1Ich werde des öfteren gefragt, ob sich die Weiterbildung zum geprüften Medienfachwirt (IHK) lohnt. Ich kann diese Frage natürlich nicht pauschal beantworten. Aber da ich nun kurz vor den schriftlichen Abschlussprüfungen zum Medienfachwirt stehe, kann über meine persönlichen Erfahrungen berichten.
Die Intension
Die Intension eine Fortbildung zu machen kann auf sehr unterschiedlichen Gründen beruhen und ist absolut individuell. Letztlich hat jeder das Ziel in irgendeiner Form weiterzukommen. Es ist also die Selbstverwirklichung, die als Motivator antreibt.
Vielleicht eine Grundsatzfrage, die sich jeder stellen kann: Brauche ich nur den “Schein”, also den Abschluss “geprüfter Medienfachwirt IHK” um weiterzukommen oder möchte ich die entsprechende Kenntnisse vermittelt bekommen, die man als “geprüfter Medienfachwirt IHK” haben sollte?
Im ersten Fall ist es vielleicht ausreichend mit einem Crashkurs sich auf die Prüfung vorzubereiten. Dies ist meist wesentlicher schneller und günstiger. Im zweiten Fall lohnt es sich einen mehrjährigen Vorbereitungskurs bei der IHK zu machen.
Was bin ich danach?
Der offizielle Abschluss der Fortbildung heißt “geprüfter Medienfachwirt IHK”. Es gibt eine englische Übersetzung, die “bachelor of media engineering CCI” heißt und umstritten ist, da sich um keine akademische Fortbildung handelt. Nach der Fortbildung kann man als “geprüfter Medienfachwirt” an manchen FHs ohne Abitur studieren.
Die Klasse
Meistens wird der Kurs zusammen mit Industriemeistern (digital / print) gehalten. Interessant dabei ist, dass hier zwei völlig unterschiedliche Welten aufeinander treffen. Zu einem sind die angehenden Industriemeister meist “Drucker” und daher sehr print-lastig, und zum anderen sind die angehenden Medienfachwirte meist “Mediengestalter” und daher sehr digital-lastig. Dies kann des öfteren zu heißen Diskussionen in manchen Fächern (Digital oder Print) führen, je nach dem wie die Gewichtung in der Klasse ist. Diese Vermischung ist wohl auch ein Konzept der Fortbildung, schließlich geht es um “Crossmedia”, d.h. man sollte von den Prozessen, von Digital bis Print, eine gewisse Grundahnung haben.
Ich persönlich empfand das Klassenklima als sehr angenehm, allerdings waren wir “digis” auch in der absoluten Unterzahl. Die Teilnehmerzahl beläuft sich bei uns auf knapp 30.
Das Lernen lernen
Bevor man eine nebenberufliche Fortbildung anfängt, sollte einem schon bewusst sein, dass dies eine Menge Arbeit und Mehrbelastung bedeutet. Der Stoff ist umfangreich und muss letztendlich gelernt werden.
Gerade wenn man mitten im Berufsleben steht, ist es schwer sich wieder an das “theoretische” Lernen zu gewöhnen. Und schlimmer noch: Man hat nicht, wie früher in der Schule, den halben Tag zum Lernen zeit. (Wenn man das so gemacht hat…) Nein, man muss sich am Abend, bzw. am Wochenende hinsetzen. Dann hat man noch Familie, Bekannte und Hobbies, die ebenfalls bedient werden wollen. Somit entstehen schnell die ersten Interessenkonflikte, die oftmals zur Demotivation führen. Daraufhin werden die regelmäßigen Schulbesuche weniger und die guten Vorsätze, wie z.B. “Ich lerne immer mit”, sind schnell vergessen. ABER das ist völlig normal und es braucht eine gewisse Zeit bis sich alles einspielt.
Bei uns wurde das Thema “Lernen lernen” bereits am Anfang des Basisteils aufgegriffen und das hat bei der Selbstorganisation geholfen. Welcher Lerntyp man letztlich ist, sollte man entweder bereits wissen oder spätestens in diesem Zeitraum herausfinden.
Generell durchläuft man verschiedene Motivationsphasen während der Ausbildung. Mein größtes Hoch war bisher kurz vor der Zwischenprüfung, gefolgt vom größten Loch – der Unterricht kurz nach der Zwischenprüfung.
Der Stoff
Wer glaubt dabei tiefere Kenntnisse über Mediengestaltung oder über die Nutzung von Grafikprogrammen zu erwerben, der täuscht sich. Es geht nicht darum die bereits erworbenen Fähigkeiten in einer ausführenden Tätigkeit zu vertiefen, sondern später mal planerische Aufgaben zu übernehmen. Wikepedia beschreibt die (Soll-) Position des Medienfachwirts recht schön in dem Artikel “Medienfachwirt“.
Somit behandelt der Rahmenplan eine große Bandbreite an Themen, die auch in diesem Blog zum Teil (handlungsspezifischer Teil) diskutiert werden.
In der grundlegenden Qualifikation:
- Recht,
- BWL,
- ZIB (Zusammenarbeit im Betrieb),
- IKP (Inforamtionen, Kommunkikation, Planen).
In der handlungsspezifischen Qualifikation gibt es die Fächer:
- Medienrecht,
- Medienorientierte Datenverarbeitung,
- Medienproduktion,
- Mediengestaltung,
- Medienqualifikation,
- Personalführung,
- Personalentwicklung,
- PSK (Planung, Steuerung und Kommunikation),
- Projektmanagement und Kostenmanagement.
Für mehr Infos zu den jeweiligen Fächern, könnt ihr hier auf dem Blog etwas stöbern
Die Organisation
Ich mache die Fortbildung an der IHK Akademie in Nürnberg. Generell ist alles gut organisiert. Die Räume sind modern (wenn das Internet mal funktioniert) und Unterrichtsausfälle werden meist rechtzeitig bekannt gegeben. Notfalls auch mal telefonisch vom Chef persönlich.
Der Unterricht findet in der Regel an zwei Tagen unter der Woche von 17.30 – 20.45 Uhr statt, sowie ca. alle 2 Wochen am Samstag von 8.00 bis 15.00 Uhr. Dies kann je nach IHK und Kurs natürlich abweichen. Dadurch, dass die Unterrichtszeiten bereits ein Jahr im Vorfeld geplant sind, ist eine spontane Umbuchung/Verschiebung der Unterrichtsstunden nicht möglich.
Vor allem ist es wichtig zu wissen, dass die IHK Nürnberg mit der IHK Deutschland im Bezug auf die Fortbildung nur wenig zu tun hat. Oder anders ausgedrückt, der Vorbereitungskurs an der IHK Nürnberg hat letztlich nichts mit der Anmeldung zur Prüfung als Medienfachwirt zu tun. Daher gab es in meinem Fortbildungszeitraum immer wieder Unstimmigkeiten im Bezug auf die Prüfungsordnung und auf die Anmeldung zur Prüfung.
Ich habe bereits ein Jahr an einer Uni studiert und im Vergleich dazu ist die IHK Nürnberg sehr gut organisiert. Aber vielleicht hinkt da auch der Vergleich etwas…
Die Dozenten
Eine objektive Meinung darüber abzugeben ist nicht möglich. Man kennt das aus seiner Schulzeit: Mit manchen kommt man klar mit anderen nicht so. Ich persönlich empfinde die meisten Dozenten als engagiert und fachkompetent. Mir gefällt es sehr gut, dass die meisten aus dem Praxisleben kommen und somit keine reinen Theoretiker sind.
Fazit
Da ich meine Fortbildung noch nicht beendet habe, kann ich noch kein endgültiges Fazit abgeben. Wenn man mich momentan fragt, ob ich die Fortbildung noch mal machen würde, müsste ich wirklich erst überlegen. Leider ist der Abschluss in Deutschland noch nicht sehr verbreitet und daher auch relativ unbekannt. Also ich würde keinem empfehlen nur den Abschluss ohne den Fortbildungskurs zu machen. (Höchstens man möchte anschließend studieren und man hat kein Abi.) Ich bin bisher skeptisch, ob man als “geprüfter Medienfachwirt IHK” wirklich neue Türen auf dem Arbeitsmarkt öffnet. Der mittlere Führungsbereich wird in Deutschland zunehmend kleiner. Oftmals werden solche Aufgaben auf die oberen, bzw. auf die unteren Führungsebenen verteilt.
Allerdings habe ich mich damit noch nicht intensiver beschäftigt und würde mich freuen, wenn vielleicht ein bereits “fertiger” Medienfachwirt oder Industriemeister hier über Erfahrungen berichten kann.
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